ich will!
Die Nacht, die alles veränderte, liegt ein Jahr zurück. Robert litt an Schwindel und suchte den Arzt auf, der ihn
gleich ins Spital überwies. Dort stellte man eine äusserst seltene Entzündung des Hirnstamms fest. Robert erwachte viel später in der Nacht und bemerkte, dass etwas nicht stimmen konnte. Er lag hinter Vorhängen, hörte Schnarchen um sich und schief wieder ein. Noch ein Tag später realisierte er, dass er weder schlucken, sprechen, hören konnte, stark schielte und dadurch kaum sah und vom Hals ab abwärts bewegungsunfähig war. Der sportliche 70jährige war immer gesund und lebensfreudig gewesen. Ein Mann der nach vorne schaute und trotzdem dankbar war, für das was er hatte. Nun lag er in einem Spitalbett und war vollständig hilflos und auf Hilfe angewiesen. In den folgenden Wochen hatte er viel Zeit, darüber nachzudenken, warum es gerade ihn traf. Trotzdem hatte er keine Angst und fühle sich getragen durch Familie, Freunde und das Pflegepersonal auf der Intensivstation. Und Robert dachte keinen Moment daran, dass der Zustand so bleiben könnte. Gleich am ersten Tag nach der Verlegung in die Rehaklinik, versuchte er mit Hilfe von zwei Physiotherapeutinnen zu stehen. Wie es ihm mit grosser Hilfe für Minuten gelang, aus dem Rollstuhl aufzustehen, weinte er vor Freude wie ein kleiner Junge. In den folgenden Monaten lernte Robert wieder wie ein kleines Kind zu schlucken, zu sprechen, zu gehen und sich zu pflegen. Er hatte die grosse Gabe, mutig und demütig zugleich zu sein. Im Moment zu sein und doch vorwärts zu schauen. Er freute sich in der Reha an jedem kleinen Fortschritt und nun ein Jahr später spielt Robert wieder Tennis. Etwas halft im besonders. Ein Freund schenkte ihm ein kleines Buch mit Fotos, von Dingen, die Robert wichtig sind. Auf den Buchdeckel schrieb der Freund: „ sieben Buchstaben zum Erfolg: ICH WILL! „ Dieses Buch und diese Worte gaben Robert die Kraft, wieder ins Leben zurückzukehren.
Eine Nacht mit Folgen
Reden wir doch mal über eine verhängnisvolle Nacht!
Man wacht auf und befindet sich nicht dort, wo man eigentlich sein müsste: in einem fremden Bett nämlich oder im Spital - was ist in der Nacht passiert? Nach und nach kommen die Erinnerungen. Und wie ein Puzzle setzt sich die Nacht zusammen.
Oder dies: eine letzte Zigarette im Bett, man nickt ein - plötzlich steht das Zimmer in Brand.
Man ist nach einem langen Tag mit anstrengender Sitzung zu Fuss unterwegs nach Hause; das letzte Wegstück, es ist finstere Nacht - plötzlich spürt man einen Schlag, dann nichts mehr.
In der Nacht am Computer oder im Casino: man verspielt viel Geld.
Ein einziges Mal ist man fremdgegangen: nun ist sie schwanger und er soll Vater werden, beide sind aber in andern Beziehungen.
Schlafwandelnd unterwegs - und es geschieht verhängnisvolles.
Und obwohl man weiss, jetzt, nach so viel Alkohol, sollte man sich keinesfalls ins Auto setzen, tut man es dennoch - mit fatalen Folgen.
Reden wir also über eine verhängnisvolle Nacht: Was hat sich da abgespielt und wie hat sich danach euer Leben verändert? Wir hören uns in der kommenden Dienstagnacht. Und wie immer sind wir gespannt auf eure Mails (nachtwach©srf.ch).
Mond vor der Sonne
Und päng der Schock war da! Adrian und seine Frau verliessen das Spital mit der Diagnose Krebs. Ein ganz Seltener noch dazu, mit dem man nur wenig Erfahrung habe und zu dem man schon gar keine Prognose abgeben könne. Die Mutter von zwei 12 und 14jährigen geht nun wöchentlich ins Spital zur Bestrahlung, leidet an Hörstürzen, Kreislaufproblemen und Stimmungsschwankungen. Sie zieht sich oft zurück, braucht Zeit für sich, ist müde und auch mal gereizt. Adrian erzählte am Telefon, wie dankbar er war für die Unterstützung, welche die beiden Kinder von der Krebsliga erhielten.
Nicht ohne...
Liebe Zuschauerinnen und Zuhörer, vielen Dank für Eure zahlreichen Anrufe, Mails, Facebook-Einträge und SMS vor und während der Sendung zum Thema "Ich kann nicht ohne..." Unsere Drähte liefen wie immer heiss und leider reicht unsere Sendestunde nicht dafür, dass alle mit Barbara reden können. Bitte habt Verständnis! Lasst Euch nicht entmutigen und meldet Euch weiterhin, wenn Euch ein Thema anspricht und Ihr dazu eine Geschichte zu erzählen habt. Ihr könnt uns auch jederzeit ein Mail senden. Und: Auf unserer Gratisnummer 0800 00 22 20 nehmen wir am Dienstagabend auch schon vor Mitternacht Anrufe entgegen.
Hier als Schlusspunkt vier ausgewählte SMS zu unserer letzten Sendung:
Ich kann nicht ohne Süssigkeiten! In meiner Kindheit haben wir vier Geschwister sonntags unser "Löhnli" gekriegt. Bereits am Montag stand ich mit leuchtenden Augen vor der Kioskfrau und bestimmte stolz, was sie mir nun alles - für einen Stutz - ins Schläckseckli packen soll... Somit war mein Löhnli verputzt, aber ich war wahnsinnig zufrieden ;-) Man konnte mir an Weihnachten oder zum Geburtstag die grösste Freude bereiten, wenn man mir von Merkur (damals gab`s die lolipop-Shops & Co. noch nicht) eine mit bunten Süssigkeiten gefüllte Tüte schenkte. Noch heute brauche ich meine tägliche Portion Süsses... alles im Mass ;-), immer noch schlank und rank... und ohne dabei mein "Löhnli" zu verputzen! Gute Nacht, schlaft gut und geniesst weitherin Eure süssen Laster ;-)
einen tipp an anrufer adrian : das buch "Briefe an Gott" ist ein super buch und hat mir sehr geholfen den verlust meines vaters zu verarbeiten. ich empfehle es weiter, es ist sehr berührend und ich denke es würde dir/euch sehr helfen. lg und viel kraft lisa
liebe barbara, ich kann nicht sei ohne zigaretten, bin kettenraucherin geworden seit dem tod meines mannes. alles liebe, sonja.
Ich kann nicht ohne meine Katzen leben. Sie warten stets hinter der Türe wenn ich vom Einkauf zurück komme und begrüssen mich mit einem leisen Miau und grossen Augen.
Ohne... - geht gar nicht!
Ohne meinen Willen hätte ich es, nach all den Tiefschlägen, nach Krankheiten oder nach dem Tod des Partners, nie geschafft, wieder ins Leben zurück zu kehren.
Ohne Zuspruch und ohne Zärtlichkeiten halte ich es nicht aus.
Ohne Arbeit hat mein Tag keine Strukturen mehr.
Ohne Schlaf bin ich nur ein halber Mensch.
Ohne Sieg macht das harte Training einer Sportlerin wenig Sinn.
Ohne meine Eltern wäre ich nicht dort, wo ich heute stehe.
In etwa so könnte eine Geschichte beginnen zum Thema „ich kann nicht ohne...". Eine Art Bilanz: Was wäre aus mir geworden ohne diesen Willen, ohne Zuneigung, ohne Mutter oder Vater?
Und auch so lässt sich dieses Thema angehen: Ich kann nicht ohne...
...einmal im Jahr das Meer zu sehen,
...jeden Tag vier Stunden zu chatten,
...zu lügen,
...die Partnerin zu betrügen,
...jeden Moment an mein verstorbenes Kind zu denken,
...an Gott zu glauben,
...Liebe Sex zu haben,
...Dich!
Also: Ohne was oder wen könnte ihr euer Leben nicht leben? Erzählt es in kommender Dienstagnacht - und jetzt schon einem Mail (an: nachtwach@srf.ch)
Bilderwechsel
Leider verblassen Bilder von traumatischen und dramatischen, schmerzlichen und beschämenden Momenten nicht zu schnell wie manches Bild eines Sonnenuntergangs oder das erste Lächeln eines Babys. Wenn traumatische Bilder zur Belastung werden, ist es manchmal hilfreich ganz gezielt Techniken anzuwenden. Bilder können ein Stück weit ausgewechselt werden.
Bilder im Kopf
Man schlägt die Zeitung auf, und der Blick bleibt an einem Bild hängen. Ein hungerndes Kind. Die Insel Utoya. Jubelnde Rebellen im arabischen Frühling. Es sind Fotos, die uns Tragik, Massaker, Revolutionen zeigen. Fotos, die hängen bleiben. Vielleicht bringt man das eine oder andere Bild (oder das, was wir im Fernsehen sehen) mit der eigenen Geschichte in Verbindung: Momente, in denen Schlimmes passiert ist, aber auch Wunderbare, das wir so schnell nicht vergessen.
In kommender nachtwach geht es nicht nur um diese Bilder, die irgendwo aufgenommen wurden und uns zeigen, was in der Welt passiert.
Es geht vor allem auch um die eigenen Bilder: aus unserer Lebensgeschichte. Dieses Foto zum Beispiel, das mein Vater von mir gemacht hat, an meinem ersten Schultag: In blauen Kniesocken, braunen Schuhen, Jupe und Pullover stehe ich an der hüfthohen Mauer des Nachbarhauses. Den roten Schulranzen umgehängt, im Gesicht Spannung, Skepsis und doch etwas Schalk - was wohl bringt dieser Tag? Manchmal denk ich an dieses Bild zurück und daran, wie sich mein Leben entwickelt hat.
Erzählt mir von euren Bildern (ob es nun fotografierte Schnappschüsse sind oder Bilder der Erinnerung), die schön versorgt im Kopf sind - und immer wieder auftauchen: wann, bei welcher Gelegenheit? Und welche Gefühle, welche Geschichten sind dahinter?
Es geht um Bilder, die ihr nicht loslassen wollt, die ihr nicht vergessen könnt. Bilder, die eurer Leben geprägt haben oder noch immer prägen. Bilder, die euch an Situationen erinnern. Die, die Liebe des Lebens zeigen. Oder den Tod. Oder den Krieg, den ihr einmal erlebt habt. Oder eine Geburt. Oder einen Überfall. Oder, oder, oder - wenn ihr Lust habt: schreibt uns ein Mail dazu - an nachtwach@srf.ch.
Stille: Der Lärm in uns selbst
Klaus schwärmte von der absoluten Stille, die er im Schneebiwak im Hochgebirge vor 47 Jahren erlebte. Eine Erinnerung, die trotz oder gerade wegen der Stille nicht verblasst ist. Anruferin Monika zitierte Artuhr Schopenhauer: „Die größte Harmonie aller Klänge der Welt liegt in der Stille". Die Beiden sind mit ihrer Freude an, ihrer Sehnsucht nach Stille nicht alleine. Die Welt wird immer kleiner, voller, belebter und damit auch lauter.
Worte zur Stille
Liebe Zuschauerinnen und Zuhörer, zum Thema "Stille" habt Ihr viel zu erzählen gehabt, sind Euch viele Worte und Gedanken eingefallen. Herzlichen Dank für Eure zahlreichen Anrufe, Emails und SMS, die vor und während der Sendung bei uns eingegangen sind. Hier eine Auswahl davon:
Die Stille ist nicht auf den Gipfeln der Berge, Der Lärm nicht auf den Märkten der Städte; beides ist in den Herzen der Menschen. (Spruch aus Indien)
ich hatte kürzlich ein interessantes gespräch mit einem kollegen. er stellte mir die frage, ob ich schon einmal einen tag lang ganz alleine für mich hatte - ohne jeglichen kontakt zu jemandem anderen. wir hatten es beide noch nie. ich finde es eine interessante frage. möchte ich mal erleben. hans
Es ist still
Und?, frage ich einen Berufskollegen, wie bist du ins neue Jahr gestartet? Er: mit einem Kater! Also ganz verhalten. Eigentlich still, sagt er - das würde ja gut in deine Sendung passen!
Stimmt. Ich möchte nämlich Menschen hören, die mir von der Stille erzählen. Wie, wo und warum sie sie suchen und finden. Was sie dabei empfinden.
Ich suche die, die ihr hektisches Leben entschleunigen. Jene, die immer mal wieder schweigen. Ich möchte mit denen reden, die alleine sind, und so eher ein stilles Leben führen. Ich suche die, welche die gespenstige Stille erlebt haben: nach einem Bergrutsch, nach einer Lawine, nach einer Explosion, nach einem „Chlapf" auf der Autobahn. Ich möchte mehr erfahren über die „Stille vor dem Sturm". Und über den Begriff „Stille Wasser gründen tief".
Erzählen dürfen auch die, die mit der Stille gar nichts anfangen können. Jene, die nie still sitzen. Die, die Stille kaum aushalten. Denen jede Pause zu viel ist. Warum kann Stille unangenehm sein? Oder gar unheimlich?
Erzählt mir von der Stille! Von diesen raren Momenten, die glücklich machen können. Und von jener Stille, die euch Angst bereitet. Ich freue mich auf die Gespräche - und jetzt schon auf eure Mails! (nachtwach@srf.ch)

















